Kollektivkörper-Publikation
Tatjana Basow, Caroline Böttcher, Anna Bolender, Inge Gappmaier, Philine Herrlein, Luise Meier, Rene Peter, Leander Ripchinsky, Toni Schachl und Leonie Schütt

ab Di. 10.11. bis 30.11.2020
Digital als Hörbuch
reales Buch zum kaufen
digitales Pad zum online lesen

In deutscher Sprache

Mit der Autorin und Tanzdramaturgin Luise Meier hat sich seit August eine Gruppe Denkwütiger zusammengetan, um gemeinsam über den Istzustand des Körpers und des Kollektivkörperdenkens zu forschen und zu schreiben. Das entstandene Material wird beim Tanzfestival Rhein-Main in Form einer Kollektivveröffentlichung präsentiert, an die das Publikum als Teil des Denkkörpers andocken kann.

Sprache, Texte und Reflexionen, die Körper und Bewegung behandeln, haben meist das Individuum als Ausgangspunkt. Kollektivität scheint mit Blick auf diese individualistisch verengte Perspektive mehr bewegliches, wirkungsvolles, solidarisches und freies Handeln zu ermöglichen. Vom Kollektivkörper aus gedacht stellt sich die Frage nach einer Kollektivität, die individuelle Erfahrungen verknüpft, Bedürfnissen gerecht wird und Handlungsspielräume erweitert.

Am 10.11. werden die Audiocollage und die Publikation des Workshops KollektivKörperDenkNetzWerkKollektiv erscheinen. Die darin versammelten Texte und Textfragmente haben die Teilnehmer*innen des Workshops Kollektiv- KörperDenkNetzWerkKollektiv in den Wochen zwischen dem 15.08. und dem 10.11. 2020 miteinander, umeinander, ineinander, untereinander, übereinander, auseinander, neben- einander, nacheinander, aneinander und voneinander abgeschrieben, beschrieben, weitergeschrieben, verschrieben, eingeschrieben, dazugeschrieben und herausgeschrieben. Der digitale Workshop KollektivKörperDenkNetzWerkKollektiv wurde von Luise Meier für die Tanzplattform Rhein Main konzipiert und gemeinsam mit Leander Ripchinsky weiterentwickelt und durchgeführt. Anlass war das dringende Bedürfnis in Zeiten der Umweltkatastrophe, der Pandemie und der kapitalistisch vorangetriebenen gesellschaftlichen Entsolidarisierung aus gewohnten, individualistisch geprägten Körper- und Gesellschaftsbildern herauszutreten und bestehende, ersehnte, aber auch problematische Formen der Kollektivität zu erforschen. Die Perspektive der Kollektivität des Denkens und der Körper sucht nach utopischen Potentialen, Hebeln der gesellschaftlichen Veränderung und neuen solidarischen und hierarchiekritischen Beziehungsweisen. Der Workshop hatte das Ziel die Schreibenden in ein Kollektiv zu verwickeln, das in Form und Inhalt mit dem Begriff des Kollektivkörpers und des KollektivKörperDenkens experimentiert und über das Erlebte, Erschriebene, Erdachte diskutiert und schreibt.


Medium des kollektiven Schreibens war neben regelmäßigen Zoomtreffen ein digitales Pad, in dem sich die Teilnehmer*innen begegneten und in den kollektiv entstehenden Textkörper einschrieben. Für das Schreiben selbst galt einzig die Regel, die Texte anderer nicht zu löschen. Die Textteile entstanden anonym und einzelne Schreibende und Schreibmomente waren nur als Farben voneinander zu unterscheiden. Für die vorliegende Publikation wurden kollektiv einzelne Teile des Textgeflechts ausgewählt und zur grafischen Interpretation an die Künstlerin Caroline Böttcher übergeben. Am 10.11.2020 war ursprünglich eine performative kollektive Lesung des Textkörpers geplant, bei der sich die Teile des KollektivKörperDenkNetzWerkKollektiv das erste Mal analog im Bau des Mousonturm begegnet wären. Durch die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie, wird die Lesung nicht stattfinden können. Das KollektivKörperDenk- NetzWerkKollektiv wird deshalb gemeinsam mit der Soundkünstlerin Vera Pulido eine Audiocollage des Textkörpers entwickeln. Auch das Skript für die Audiocollage wurde kollektiv zusammengestellt und von den verschiedenen Teilnehmer*innen eingelesen.


Sowohl die Audiocollage als auch die Publikation möchten zum mitdenken und mitexperimentieren einladen. Die einzelnen Seiten können aus dem Block gelöst und neu angeordnet bzw. durch Mit-, Weiter- oder Andersgedachtes ergänzt, gekontert und weiterbeschrieben werden.