CHOREOGRAFISCHE WERKSTATT
Islam Elnebishy, Max Levy, Zoë Schreckenberg und Hannah Shakti Bühler

 

Die Choreografische Werkstatt hat sich als eine Konstante im Rhein-Main-Gebiet etabliert. Viermal im Jahr bietet sie die Gelegenheit, die neuesten Entwicklungen in der Tanzszene zu entdecken. Tanzschaffende geben Einblicke in Stücke und Projekte, an denen sie gerade arbeiten. Auch in diesem Jahr öffnen während des Tanzfestivals drei Künstler*innen aus der Region ihre Arbeitsprozesse. Egal ob erste Ideen, grobe Skizzen oder bereits ausgefeilte Dramaturgien – die Künstler*innen zeigen in 15-minütigen Ausschnitten, was sie aktuell bewegt. Dabei ist die Werkstatt für sie zugleich eine Gelegenheit, bereits früh aus dem eigenen kreativen „Schneckenhaus“ herauszukommen und ihre Projekte, die in Zukunft die Bühnen im Rhein-Main-Gebiet füllen werden, im Austausch mit den Zuschauer*innen zu entwickeln.

Islam Elnebishy
I'm not talking to you

In dieser Performance entdecken wir, was es bedeutet, online zu sein, und wie sich dies auf unsere Identität auswirkt, wie sich diese Kommunikation mit/durch den Bildschirm auf unser Sein und unsere Kommunikationsformen auswirkt. Welche Vorstellungen und Eindrücke machen wir über andere, wenn wir sie online treffen? Welche Annahmen machen wir über sie? Sind wir die gleiche Version von uns selbst, wenn wir online sind, online agieren, reden, Leute treffen, reagieren, kämpfen? und wie geht es weiter?

Regie: Islam Elnebishy
Performer*innen: Ameyalli gutierrez ,Ahmed Abdallah, Sophie Mansour, Luka, Mahmoud Sami, Nadine Essmat
and Islam Elnebishy

Islam Elnebishy ist ein Tanzmacher und Choreograf, der zwischen Deutschland und Ägypten lebt.
-Er ist aktuell Student im Masterstudiengang Choreografie und Performance (CUP) Giessen, Deutschland.
-Absolvent der Maat|CCDC zeitgenössischen Tanzschule 2019

Er kreierte und choreografierte folgende Aufführungen:
- Projekt "Taking Place"
-Don't watch,, Online-Performance
-Go back to your seat, Please!
-Once, it was a dream
-Troubled Butterflies
-Again and again and again
-Er führte Regie bei 2 kurzen Tanzfilmen
: „Until it’s Monday"“ und „Intersected spaces"

Max Levy
A Song Without Words + Sleepdancing

Ich werde eine Mischung aus Arbeiten präsentieren, die meinen jüngsten Film und die Forschung hinter meinem aktuellen Prozess reflektieren. A Song Without Words handelt von Isolation, Eskapismus und Abhängigkeit, gedreht im Frühjahr 2021. Diese Arbeit war eine schwierige Zeit, und meine Dankbarkeit für das Team steht im Mittelpunkt der Präsentation. Währenddessen liegt meine Zukunft bei Sleepdancing, einem Tanz-Hypnose-Film, der seine Zuschauer*innen in den Schlaf führt. Nach einer kürzlichen Recherchephase werde ich die technischen Tests und Einflüsse diskutieren, die uns begegnet sind und die in den nächsten Monaten in eine Kreationsphase münden.

In Tokio geboren, absolvierte Max Levy seine Ausbildung am renommierten San Francisco Ballet. Als Tänzer war er zuletzt als Solist beim Ballett Staatstheater Nürnberg engagiert, wo er unter anderem Werke von Crystal Pite, William Forsythe und Ohad Naharin tanzte. Heute arbeitet er als internationaler freischaffender Tänzer und Choreograf mit Sitz in Frankfurt und bringt einen meditativen Zugang zu athletischen, bewegungsgetriebenen Arbeiten in eine Welt der distanzierten Fantasie.

Zoë Schreckenberg 
Fuss zum Kopf

Das Tanzstück (Arbeitstitel:) "Fuss zum Kopf"  befasst sich mit der Musikalität und dem Rhythmus von Aggressionen. Als Inspirationsquelle dienen Gewaltdarstellungen in Filmen, ausgehend von Filmstunt-Choreographien. Im Kontext der Bewegung erforscht das Projekt, inwiefern tänzerische Komponenten wie Rhythmus, Ausdruck und Räumlichkeit mit den Techniken des filmischen Stuntkampfes verschmolzen werden können. Es wird ein Tanzstil entwickelt, der sich aus dem Zusammenspiel der Partnerarbeit von Tanz und Filmstunt ergibt, sowie innere Spannungen des Individuums auf unterschiedliche Weise in Form von Konfrontation zu reflektieren und aufzulösen versucht.

Zoë Schreckenberg ist eine deutsche Choreografin und Filmemacherin. Ihre künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit dem Medium Bühne und Film und ist von ihrer zeitgenössischen Tanzausbildung sowie von Kampfmethoden und Filmstunts beeinflusst. 2015 schloss sie ihr Bachelorstudium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Hauptuniversität Wien erfolgreich ab und erhielt ihre Tanzausbildung durch intensive Bewegungsprogramme in verschiedenen Tanzinstitutionen und -festivals in Europa.

Hannah Shakti Bühler 
Somatic Taranta: hybrids on rhythm, rapture and remorse 

Somatic Taranta: hybrids on rhythm, rapture and remorse ist ein zeitgenössisches performatives Ritual, das Tanz, Live-Musik und Gesang kombiniert: ein Tanzkonzert aus wiederbelebten Atemzügen, Schwingungen und Affekten, das zeitgenössischen Tanz in Dialog mit den sogenannten 'Pizzica Tarantata'-Tänzen und -Liedern bringt die süditalienischen Tarantismus-Traditionen. Um einen Einblick in den Arbeitsprozess von heute zu geben, teilen wir ein Vortragsritual, das Vergangenheit und Gegenwart in einer Klang- und Bewegungslandschaft kollektiver Trauer, einem Befreiungsritus, koexistieren lässt und das Gefühl des Widerstands gegen eine Welt, die isoliert, statt neu kultiviert, wiederbelebt Formen des Zusammenlebens.

Konzept und Choreografie: Hannah Shakti Bühler 
Online: Hannah Shakti Bühler, Marialuisa Capurso, Michele Ciccimarra, Agnes Distelberger, Laure Dupont, Veronica Garzon, Erika Schipa, Valerio Porleri, Andrea De Siena, Massimiliano Morabito.
Bilder von der Dokumentation La Taranta von Diego Carpintella.
Besonderen Dank an Veronica Garzon und Simon Mayer.
Fotos: Mili November

In Deutschland geboren, aber in Italien aufgewachsen, studierte Hannah zeitgenössischen Tanz am Laban Trinity College in London und erhielt 2006 ihren BA(Hons) Dance Theatre. Ihre Aufführungspraxis führte sie zu einer Zusammenarbeit mit Retina Dance Co. in Großbritannien, Centro Coreografico Galego in Spanien und Trash DansPerformanceGroup in Holland. Als choreografische Assistentin arbeitet sie mit Cisco Aznar an der Opera de Lausanne, der Opera de Dijon, der Circus School Fratellini in Paris und der FolkOperan Stockholm. 2015 absolviert sie den MACoDE (Master in Contemporary Dance Education) an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Seit September 2016 lehrt sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main im Fachbereich Schauspiel und erforscht Transfers von somatischen Praktiken in performative Zustände. Seit September 2018 ist sie Professorin für Zeitgenössischen Tanz an der BAtanz mit dem Schwerpunkt auf Transfers zwischen somatischen Praktiken in den Zeitgenössischen Tanz. 2015 ist sie Mitbegründerin von Hicks&Bühler, einer choreografischen Zusammenarbeit mit Laura Hicks, aus der Reaching Towards... (2017) und Der Klumpen (2018) und Strange Loops (2019) entstehen.

 

 

Fotos: Mili November und andere